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Eine chinesische Fabrik kann vollständige Zeichnungen verlangen, bevor sie ein Angebot erstellt. Wie viel Sie weitergeben sollten, solange die Eignung des Lieferanten noch offen ist, muss sorgfältig abgewogen werden.

Ist noch keine NNN-Vereinbarung geschlossen, ist Zurückhaltung verständlich. Nach dem Versand lässt sich allein durch mündliche Zusicherungen nicht kontrollieren, wie Dateien kopiert oder weitergeleitet werden.

Eine vage Produktbeschreibung kann allerdings auch der Fabrik zu wenig Anhaltspunkte geben, um Material, Fertigungsverfahren und Kosten einzuschätzen.

Geben Sie Informationen passend zur nächsten Entscheidung frei. Beginnen Sie mit notwendigen, nicht vertraulichen Angaben, um die Eignung des Lieferanten zu prüfen. Werden zentrale Zeichnungen benötigt, klären Sie zunächst den Empfänger und die Nutzungsgrenzen. Beeinflussen zurückgehaltene Details den Preis, lassen Sie Annahmen und offene Punkte im Angebot festhalten. Die folgenden fünf Schritte behandeln den Anfragezweck, den Bedarf an Unterlagen, den Freigabeumfang, die Vereinbarungen zur Weitergabe und die Preisgrundlagen.

Zuerst klären: Brauchen Sie einen Richtpreis oder ein detailliertes Angebot?

Klären Sie vor dem Versenden der RFQ Ihre genaue Absicht: Benötigen Sie lediglich eine grobe Budgetschätzung zur Machbarkeitsprüfung, oder sind Sie bereit für die Vergabe und eine verbindliche Bestellung (PO)?

Solange Sie das Design noch anpassen oder Lieferanten vergleichen, steht die Prüfung der Fertigungsmöglichkeiten im Vordergrund. Klären Sie, ob die benötigten Verfahren und Oberflächenbehandlungen verfügbar sind und die Mindestbestellmenge passt.

Außenmaße, mögliche Werkstoffe und voraussichtliche Mengen können als Ausgangspunkt dienen. Ob sie auch für eine Preisspanne ausreichen, hängt vom Verfahren und der konkreten Prüfung ab. Ungeeignete Anbieter auszusortieren ist bereits ein Fortschritt, ohne dafür sämtliche Konstruktionsdetails offenzulegen.

Für die Lieferantenauswahl oder Bestellung brauchen Sie eine klarere Kalkulationsgrundlage. Neben Material und Bearbeitung sind Werkzeugbau, Muster, Prüfung, Verpackung und Lieferung zu berücksichtigen. Angebote sind auch vor Abschluss der Konstruktion möglich. Trennen Sie dabei bestätigte Preise von Positionen, die sich mit dem Design noch ändern können. Ein detailliertes Angebot ist nicht automatisch eine bedingungslose Festpreisvereinbarung.

Erklären Sie bei der ersten Anfrage, dass Sie zunächst Fertigungsmöglichkeiten und Budget prüfen. Fragen Sie, ob eine Schätzung unter ausdrücklich genannten Annahmen möglich ist. Benötigt die Fabrik dennoch Zeichnungen, klären Sie die fehlenden Angaben. Die Bereitschaft, ohne Zeichnungen zu kalkulieren, ist für sich genommen kein Qualitätsmerkmal.

Nachfragen: Welche Fertigungsschritte soll die Datei belegen?

Die Anforderung von 3D-Dateien, Stücklisten oder Gesamtbaugruppen kann aus einer standardisierten Eingangsliste oder einem tatsächlichen technischen Bedarf entstehen. Eine solche Liste allein legt nicht fest, was schon zu Beginn übergeben werden muss.

Fragen Sie, welche Entscheidung jede Unterlage ermöglichen soll. Besprechen Sie anschließend, ob Spezifikationen, Teilzeichnungen oder vereinfachte Modelle dafür ausreichen:

Angeforderte InformationMöglicher PrüfzweckBei zurückgehaltenen Details klären
Werkstoff und DickeMaterialkosten, Mengen und BearbeitungWelche Angaben feststehen und welche Annahmen sind
Geometrie, Maße und WandstärkeArbeitsschritte und WerkzeugkomplexitätOb Außenmaße oder Teilzeichnungen für diese Prüfung genügen
Toleranzen und PassungenBearbeitung, Prüfung und MontageWelche preisrelevanten Anforderungen vor der Bestellung feststehen müssen
Oberfläche und PrüfanforderungenBehandlungs- und PrüfkostenWas enthalten und noch nicht eingerechnet ist
Menge, Termin und LieferortPlanung, Loskosten und TransportAuf welche Menge und Lieferbedingungen sich der Preis bezieht
Gesamtbaugruppe und KundendatenSchnittstellen oder weitere ProjektanforderungenOb relevante Schnittstellendaten genügen; sachfremde Kundendaten zurückhalten

Der Unterlagenbedarf unterscheidet sich je nach Verfahren. Ein einfaches flaches Bauteil lässt sich für eine erste Einschätzung möglicherweise anhand einer bemaßten Zeichnung und der Werkstoffangabe beurteilen. Eine komplexe Geometrie kann dagegen ein 3D-Modell erfordern. Entscheidend ist der Prüfzweck, nicht allein das Dateiformat.

Ein erforderliches Modell bedeutet nicht zwingend, dass die gesamte Konstruktion benötigt wird. Klären Sie mit der Technik, ob das betreffende Bauteil oder ein Ausschnitt genügt. Entfernen Sie jedoch keine preisrelevanten Merkmale und erwarten trotzdem eine genaue Kalkulation. Für den Auftrag nicht benötigte Systemunterlagen, Firmware und Kundendaten bleiben getrennt.

Runde eins: Was Sie weitergeben und was Sie vorerst zurückhalten

Trennen Sie vor dem Versand die jetzt benötigten Unterlagen von den noch nicht benötigten.

Prüfen Sie Anhänge einzeln, statt Ansichten, Detailzeichnungen, Schaltungsdaten und Lieferantenlisten gemeinsam zu versenden. Maßgeblich ist, was die Information offenlegt und wofür sie gebraucht wird, nicht nur ihr Name oder Format.

  • Zunächst zur Weitergabe prüfen: Produktkategorie, allgemeiner Verwendungszweck, Außenmaße, mögliche Werkstoffe, geplante Mengen und Lieferziele. Voraussetzung ist, dass die Angaben relevant und nicht selbst vertraulich sind.
  • Bis zur Klärung des Bedarfs zurückhalten: Kritische Passmaße, besondere Strukturen, Firmware, Schaltungsdateien, Gesamtbaugruppen, spezielle Komponentenlisten und Kundendaten. Ist eine Angabe für das aktuelle Angebot erforderlich, klären Sie vor der Freigabe die Nutzungsbeschränkungen.

Bei der Vorbereitung eines reduzierten Datenpakets sind zwei Unterschiede wichtig:

1. Ein anderes Format legt nicht unbedingt weniger offen. Auch ein 2D-PDF kann zentrale Maße und Strukturen zeigen. Ein Vertraulichkeitsvermerk kann den Empfänger aufmerksam machen und als Hinweis auf getroffene Schutzmaßnahmen dienen. Er verhindert jedoch weder das Kopieren noch garantiert er rechtlichen Schutz.

2. Kennzeichnen Sie Auslassungen, statt falsche Maße anzugeben. Halten Sie fest, welche Informationen fehlen und welchen Umfang der Prüfung die Datei ermöglicht. Eine unvollständige Geometrie trägt gegebenenfalls nur eine begrenzte Schätzung. Stellen Sie unbestätigte Annahmen nicht als tatsächliche Spezifikationen dar.

Grenzen Sie den Lieferantenkreis anhand der ersten Antworten ein. Benötigt die weitere Prüfung zentrale Zeichnungen, klären Sie die entsprechenden Schutzmaßnahmen vor deren Übergabe.

Wenn Detailzeichnungen unvermeidlich sind: Klare Regeln vorab

Prüfen Sie zunächst, ob eine bestehende Vereinbarung die geplante Übergabe abdeckt. Andernfalls vereinbaren Sie eine passende NNN-Vereinbarung oder andere Bedingungen, bevor Sie zentrale Unterlagen weitergeben. Nicht jede Anfrage erfordert ein neues eigenständiges Dokument mit dieser Bezeichnung.

Entscheidend sind die Pflichten, nicht allein die Bezeichnungen NDA oder NNN. Prüfen Sie die Grenzen für Weiterleitung, projektfremde Produktion und gegebenenfalls die direkte Ansprache bestimmter Kunden unter Umgehung Ihres Unternehmens. Die Beschränkungen sollten zur tatsächlichen Zusammenarbeit passen.

Klären Sie vor der Übergabe fünf Punkte:

  • Vertragspartner und Empfänger: Überprüfen Sie den amtlich registrierten chinesischen Firmennamen und den einheitlichen Sozialkreditcode. Sind Händler und Produktionsbetrieb verschiedene Rechtsträger, klären Sie die jeweiligen Zugriffsrechte und Verantwortlichkeiten.
  • Weitergabe an Unterauftragnehmer: Halten Sie fest, welche Dritten welche Dateien benötigen, wessen Zustimmung erforderlich ist und wer für die Vertraulichkeit verantwortlich ist. Die Unterschrift der Fabrik bindet nicht automatisch sämtliche Unterauftragnehmer.
  • Streitbeilegung: Die Wahl eines ausländischen Gerichts in einer kostenlosen NNN-Vorlage macht die Vereinbarung nicht allein deshalb unwirksam. Die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Urteile in China erfordert eine Prüfung nach einschlägigen Verträgen oder dem Gegenseitigkeitsprinzip sowie weiteren gesetzlichen Voraussetzungen. Sie erfolgt weder automatisch noch ist sie generell ausgeschlossen. Berücksichtigen Sie Vermögensstandorte, Verfahren und Kosten.
  • Gründe für eine Ablehnung: Unterscheiden Sie Einwände gegen einzelne Klauseln von der Ablehnung notwendiger Nutzungsgrenzen. Lassen sich wesentliche Schutzbedingungen nicht vereinbaren, können Sie die Freigabe vertraulicher Daten aussetzen oder andere Lieferanten prüfen. Die Ablehnung eines bestimmten Entwurfs beweist für sich genommen keine Unredlichkeit.
  • Übergabe dokumentieren: Bewahren Sie Dateiversionen, Anhangslisten, Empfänger, Versandzeitpunkte, erlaubte Zwecke und die zugehörige Vereinbarung auf. Diese Unterlagen helfen, den Ablauf nachzuvollziehen, garantieren aber nicht den Nachweis aller streitigen Tatsachen.

Angebot an konkrete Zeichnungsannahmen binden

Fehlen preisrelevante Details, kann das Angebot Annahmen oder offene Positionen enthalten. Klären Sie, welche Kosten bereits eine ausreichende Grundlage haben und wo noch Informationen fehlen.

Ergänzte Toleranzen, Geometrien oder Prüfanforderungen können das Verfahren und den Preis verändern. Eine spätere Preiserhöhung allein belegt keine absichtliche Lockpreisstrategie. Fehlt die ursprüngliche Kalkulationsgrundlage, ist allerdings auch schwerer zu beurteilen, ob die Änderung berechtigt ist.

Prüfen Sie drei Bestandteile des Angebots:

  • Dateigrundlage: Verwendete Dateien und Versionsstände sowie noch fehlende Unterlagen.
  • Technische Annahmen: Bestätigte Anforderungen an Werkstoff, Präzision, Prüfung und Verlustansätze von vorläufigen Annahmen trennen.
  • Kosten- und Lieferumfang: Werkzeugbau, Muster, Verpackung, Transport und gesondert berechnete Positionen klären. Eigentum und Nutzungsrechte am Werkzeug getrennt von der Zahlungsweise vereinbaren; die Zahlung allein klärt diese Rechte nicht.

Gleichen Sie den Leistungsumfang ab, bevor Sie Preise vergleichen. Ein niedrigerer Stückpreis kann Prüfungen oder Verpackung ausschließen, die andernorts enthalten sind. Fragen Sie bei ungenannten Positionen nach, statt sie als kostenlos enthalten oder absichtlich verschwiegen zu behandeln.

Lassen Sie bei neuen Zeichnungsständen schriftlich bestätigen, ob das Angebot weiter gilt und ob Kosten oder Lieferzeiten angepasst werden müssen. Bewahren Sie die Antwort zusammen mit der betreffenden Zeichnung auf.

Schrittweise vorgehen: Schutz wahren, ohne Verhandlungen zu blockieren

Es gibt keine für jedes Produkt gleichermaßen sichere Liste von Unterlagen, die vor einer NNN weitergegeben werden können. Prüfen Sie, ob die Information vertraulich ist, ob die aktuelle Entscheidung sie benötigt und ob der Empfänger sie innerhalb vereinbarter Grenzen nutzen kann.

Zuerst den Bedarf klären, dann den Freigabeumfang bestimmen und anschließend die Preisgrundlagen abstimmen.

Beginnen Sie die Vorauswahl mit notwendigen, nicht vertraulichen Angaben. Prüfen Sie vor der Übergabe zentraler Zeichnungen den Empfänger und vereinbaren Sie Nutzungsgrenzen. Dokumentieren Sie Versionen und lassen Sie Annahmen sowie ausgeschlossene Leistungen im Angebot festhalten. Das kann unnötige Offenlegung reduzieren und Angebote besser nutzbar machen. Weder eine Vereinbarung noch die stufenweise Freigabe beseitigt jedes Risiko.

Wenn Sie Anfragen an chinesische Hersteller vorbereiten und den Umfang der Offenlegung oder Vertragsbedingungen zur Weitergabe an Unterauftragnehmer prüfen lassen möchten, wenden Sie sich vor der Übergabe an einen auf chinesische NNN-Vereinbarungen spezialisierten Anwalt.

Quellen

  1. Oberstes Volksgericht, Zivilgesetzbuch der Volksrepublik China, einschließlich Artikel 501: https://www.court.gov.cn/zixun/xiangqing/233181.html⁠Oberstes Volksgericht der Volksrepublik ChinaZivilgesetzbuch der Volksrepublik ChinaChinesischer Originaltext auf der Website des Obersten Volksgerichts.www.court.gov.cn
  2. Ständiger Ausschuss des Nationalen Volkskongresses, Beschluss zur Änderung des Zivilprozessgesetzes der Volksrepublik China (2023), Punkt 20 (Artikel 299): https://www.npc.gov.cn/npc/c2/c30834/202309/t20230901_431419.html⁠Nationaler Volkskongress der Volksrepublik ChinaBeschluss zur Änderung des chinesischen Zivilprozessgesetzes (2023)Chinesischer Originaltext. Punkt 20 betrifft die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Urteile.www.npc.gov.cn

Häufige Fragen

Was kann ich tun, wenn ich Zeichnungen bereits ohne NNN versendet habe?

Sichern Sie unverzüglich alle Original-E-Mails, Anhänge und Chatverläufe. Dokumentieren Sie präzise, welche Dateien an wen und zu welchem konkreten Bewertungszweck übermittelt wurden. Stoppen Sie die Weitergabe weiterer sensibler Unterlagen. Art. 501 des Zivilgesetzbuchs kann vertrauliche Informationen aus Vertragsverhandlungen schützen, doch eine nachträgliche NNN macht eine erfolgte Offenlegung nicht ungeschehen. Bei Verdacht auf Missbrauch sollten Sie unverzüglich juristischen Rat einholen.

Benötigt der Kauf von Standard-Katalogware vor der Preisanfrage eine NNN?

Das hängt davon ab, ob Ihre Anfrage proprietäre Anpassungen, Branding oder vertrauliche Geschäftsdaten offenbart. Reine Preis- und Lieferzeitanfragen für Katalogteile betreffen andere Offenlegungsrisiken als die Überlassung eigener Konstruktionszeichnungen. Geben Sie auch bei Standardware niemals Ihre Kundenlisten oder Absatzplanungen leichtfertig weiter.

Bietet der Upload auf Online-Angebotsportalen ausreichenden Geheimhaltungsschutz?

Verlassen Sie sich keineswegs allein auf den Übertragungsweg. Prüfen Sie die AGB der Plattform, die genaue juristische Person des Empfängers und ob Dateien an Partnerfabriken weitergeleitet werden. Eine verschlüsselte Verbindung regelt nicht, wie der Empfänger Ihre Daten nutzen darf. Ist eine NNN erforderlich, schließen Sie diese vor dem Upload ab.

Sollte man der Fabrik erlauben, Zeichnungen vor der Angebotsabgabe anzupassen?

Klären Sie vorab, ob es sich um bloßes Feedback zur Fertigungsgerechtigkeit (DFM) oder um eine echte Neukonstruktion handelt. Wenn Zeichnungsänderungen oder kostenpflichtige Prüfungen anfallen, regeln Sie Arbeitsumfang, Kosten, Urheberrechte an den CAD-Daten und Nutzungsrechte schriftlich, bevor begonnen wird. Gehen Sie niemals davon aus, dass solche Vorarbeiten geschützt oder kostenlos sind.